Die Wirtschaft des Euroraums im dritten Quartal 2026
Das dritte Quartal stand im Zeichen der Energie. Höhere Öl- und Gaspreise, die die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Konflikt im Nahen Osten zurückführt, trieben die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 %, und die EZB hob ihre Leitzinsen zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten an. Zugleich erreichten die Unternehmensumfragen ihre höchsten Stände seit Jahren, und der deutsche Bundeshaushalt begann, die Verteidigungs- und Infrastrukturpläne des Landes in Ausgaben umzusetzen. Dieser Bericht legt dar, was die amtlichen Daten zum jeweils genannten Zeitpunkt zeigen und wie die EZB die Risiken beschreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Inflation stieg im September auf 3,8 % (Schnellschätzung), nach 3,2 % im August. Die Energiepreise lagen um 18,8 % über dem Vorjahresniveau; die Kerninflation betrug 2,5 %.
- Die EZB hob den Zinssatz für die Einlagefazilität im Juni auf 2,25 % und im September auf 2,50 % an, jeweils einstimmig, und legt sich nach eigenen Angaben nicht im Voraus auf einen Zinspfad fest. Ihr nächster Beschluss steht am 29. Oktober an.
- Das BIP wuchs im zweiten Quartal um 0,6 %; der Wert wurde wegen Irland nach oben revidiert. Unter den vier größten Volkswirtschaften reichte das Wachstum von 0,0 % in Frankreich bis 0,7 % in Spanien. Die Unternehmensumfragen fielen im September so gut aus wie seit fast dreieinhalb Jahren nicht mehr.
- Der deutsche Bundeshaushalt 2026 sieht EUR 100,9 Mrd. für Verteidigung und Sicherheit vor, davon EUR 57,6 Mrd. außerhalb der Schuldenbremse. Die Ausgaben für militärische Beschaffungen lagen von Januar bis August um 46,2 % über dem Vorjahreszeitraum.
- Nach Einschätzung der EZB sind die Risiken für die Inflation aufwärts- und die Risiken für das Wachstum abwärtsgerichtet, vor allem wegen der Energieversorgung und der Geopolitik.
Inflation: ein Energieschock
Die Verbraucherpreise im Euroraum, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), lagen im September nach der Schnellschätzung von Eurostat vom 2. Oktober um 3,8 % über dem Vorjahresniveau. Im August hatte die Rate bei 3,2 % gelegen. Etwa drei Viertel des Anstiegs gingen auf die Energie zurück; Dienstleistungen und Lebensmittel trugen den Rest bei.
| HVPI-Komponente | August 2026 | September 2026 (Schnellschätzung) |
|---|---|---|
| Gesamtindex | 3,2 % | 3,8 % |
| Energie | 14,3 % | 18,8 % |
| Dienstleistungen | 3,0 % | 3,2 % |
| Lebensmittel, Alkohol und Tabak | 1,1 % | 1,4 % |
| Industriegüter ohne Energie | 1,2 % | 1,1 % |
| Kerninflation (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak) | 2,4 % | 2,5 % |
Zwei Punkte fallen auf. Erstens stieg die Kerninflation, die Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, nur von 2,4 % auf 2,5 %: Bislang hat der Energieschock nicht in größerem Umfang auf andere Preise übergegriffen. Zweitens liegt der Septemberwert bereits über dem Höchststand von 3,6 %, den die EZB-Fachleute im September für das vierte Quartal projiziert hatten; dem lagen Energiepreisannahmen mit Stand vom 19. August zugrunde.
Schnellschätzungen werden revidiert. Das galt auch für August: Die Schnellschätzung vom 1. September wies 3,3 % aus, der endgültige Wert vom 17. September 3,2 %. Auch der Septemberwert kann sich noch ändern.
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- Die EZB: zwei Zinserhöhungen in drei Monaten
- Wachstum: bessere Umfragewerte, uneinheitliche Wirtschaftsleistung
- Deutschlands finanzpolitische Wende
- Das Vereinigte Königreich und die Schweiz
- Die Risiken in den Worten der EZB
- Wichtige Termine
- Zusammenfassung
Quellen
- Eurostat, Schnellschätzung der Inflation im Euroraum, September 2026 (2. Oktober 2026). Eurostat
- Eurostat, Inflation im Euroraum, August 2026: Schnellschätzung (1. September 2026) und endgültige Daten (17. September 2026). Schnellschätzung; Endgültige Daten
- Eurostat, BIP, zweites Quartal 2026: vorläufige Schnellschätzung (30. Juli 2026), Schnellschätzung (14. August 2026) und aktualisierte Schätzung (7. September 2026). Vorläufige Schnellschätzung; Schnellschätzung; Aktualisierung
- Eurostat, Arbeitslosigkeit im Euroraum, August 2026 (1. Oktober 2026). Eurostat
- EZB, Leitzinsen der EZB. EZB
- EZB, Geldpolitische Beschlüsse vom 11. Juni, 23. Juli und 10. September 2026. Juni; Juli; September
- EZB, Erklärung zur Geldpolitik, 10. September 2026. EZB
- EZB, Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung vom 9. und 10. September 2026 (8. Oktober 2026). EZB
- EZB, Gesamtwirtschaftliche Euroraum-Projektionen von Fachleuten der EZB, September 2026. EZB
- EZB, Sitzungskalender des EZB-Rats. EZB
- Destatis, Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 (25. August 2026). Destatis
- INSEE, comptes nationaux trimestriels, deuxième trimestre 2026 (28. August 2026). INSEE
- Istat, conti economici trimestrali, II trimestre 2026 (1. September 2026). Istat
- INE, Vierteljährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, zweites Quartal 2026 (25. September 2026). INE
- S&P Global und HCOB, Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe (1. Oktober 2026) und zusammengesetzter PMI (5. Oktober 2026) für den Euroraum, September 2026, wie von Reuters und Trading Economics berichtet. Reuters, über The Standard; Trading Economics
- Bundesministerium der Finanzen, Monatsberichte April 2025 (Finanzierungspaket), Februar 2026 (Haushalt 2026) und September 2026 (Bundesfinanzen und Kreditaufnahme). April 2025; Februar 2026; September 2026, Haushalt; September 2026, Kreditaufnahme
- Deutscher Bundestag, Verabschiedung des Bundeshaushalts 2026 (28. November 2025) und Entwurf des Bundeshaushalts 2027 (14. August 2026). 2026; 2027
- Bank of England, Geldpolitische Zusammenfassung, September 2026; ONS, Verbraucherpreisinflation, August 2026. Bank of England; ONS
- Schweizerische Nationalbank, Geldpolitische Lagebeurteilung vom 24. September 2026; Konsumentenpreise in der Schweiz, September 2026. SNB; Bundesamt für Statistik