Erklärstück

Das Basisinformationsblatt lesen

Zu jedem Investmentfonds, der Privatanlegern in der Europäischen Union angeboten wird, gibt es ein Basisinformationsblatt (BIB): höchstens drei gedruckte Seiten, mit denselben Überschriften in derselben Reihenfolge für jedes Produkt. Richtig gelesen beantwortet es die Fragen, auf die es vor einer Anlage ankommt: was Sie kaufen, wie viel Sie verlieren könnten, was es kostet und wie lange Sie investiert bleiben sollten. Dieses Erklärstück geht das Dokument Abschnitt für Abschnitt durch und zeigt, worauf Sie jeweils achten sollten.

Was ein Basisinformationsblatt ist und wozu es dient

Das Basisinformationsblatt ist eine standardisierte Zusammenfassung, die der Anbieter eines Anlageprodukts, der sogenannte Hersteller, veröffentlichen muss, bevor das Produkt Kleinanlegern in der EU zur Verfügung gestellt wird. Vorgeschrieben ist es durch die EU-Verordnung über verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte, kurz PRIIPs, die seit Januar 2018 gilt. Seit dem 1. Januar 2023 ersetzt es bei OGAW-Fonds außerdem die ältere, zweiseitige Kurzinformation „Wesentliche Anlegerinformationen“ (KIID), sodass heute nahezu jeder Fonds, der in der EU an Privatanleger vertrieben wird, über ein solches Dokument verfügt.

Drei Merkmale machen das BIB nützlich:

  • Es ist kurz. Ausgedruckt umfasst es höchstens drei DIN-A4-Seiten.
  • Es ist standardisiert. Jedes BIB verwendet dieselben Überschriften in derselben Reihenfolge, berechnet Risiko und Kosten nach denselben vorgeschriebenen Methoden und legt dieselbe Beispielanlage von EUR 10.000 zugrunde, sodass sich zwei Produkte Zeile für Zeile vergleichen lassen.
  • Es ist keine Werbung. Das Gesetz verlangt, dass es präzise, redlich, klar und nicht irreführend ist, und das steht auch auf seiner ersten Seite.

Ihre Bank, Ihr Broker oder Ihr Berater muss Ihnen das BIB kostenlos und rechtzeitig zur Verfügung stellen, bevor Sie sich zu einer Anlage verpflichten. Der Hersteller muss es mindestens alle zwölf Monate überprüfen und überarbeiten, sobald sich die Angaben wesentlich ändern. Achten Sie daher immer auf das Datum auf der ersten Seite.

Der Aufbau im Überblick

Die Abschnitte erscheinen immer in dieser Reihenfolge. Jeder beantwortet eine einzige Frage.

AbschnittDie Frage, die er beantwortetWorauf Sie achten sollten
Zweck und ProduktWas ist dieses Dokument, und wer stellt das Produkt her?Den Hersteller, seine Aufsichtsbehörde, die Kennung der Anteilsklasse und das Datum des Dokuments.
Warnhinweis zur VerständlichkeitIst das Produkt kompliziert?Erscheint nur bei Produkten, die nicht einfach sind. Ist er vorhanden, vergewissern Sie sich, dass Sie verstehen, wie das Produkt funktioniert.
Um welche Art von Produkt handelt es sich?Was kaufe ich, für wie lange und für wen ist es gedacht?Die Art, die Laufzeit, die Ziele und den Anleger, für den das Produkt bestimmt ist.
Welche Risiken bestehen und was könnte ich im Gegenzug dafür bekommen?Wie viel könnte ich verlieren, und was könnte ich zurückbekommen?Den Risikoindikator von 1 bis 7, die empfohlene Haltedauer und die vier Performance-Szenarien.
Was geschieht, wenn der Hersteller nicht in der Lage ist, die Auszahlung vorzunehmen?Was ist, wenn das Unternehmen hinter dem Produkt ausfällt?Ob ein Entschädigungs- oder Sicherungssystem Sie schützt.
Welche Kosten entstehen?Was zahle ich insgesamt?Die Gesamtkosten in Euro, die jährlichen Auswirkungen der Kosten und die Aufschlüsselung nach Kostenarten.
Wie lange sollte ich die Anlage halten, und kann ich vorzeitig Geld entnehmen?Für wie lange binde ich mich?Die empfohlene Haltedauer, wie oft Sie verkaufen können und etwaige Abschläge bei vorzeitigem Ausstieg.
Wie kann ich mich beschweren?An wen wende ich mich, wenn etwas schiefgeht?Eine Anschrift, eine E-Mail-Adresse und eine Website für Beschwerden.
Sonstige zweckdienliche AngabenWas sollte ich sonst noch lesen?Den Verkaufsprospekt, die Berichte und wo die frühere Wertentwicklung veröffentlicht wird.

Zweck und Produkt

Das Dokument beginnt mit einer feststehenden Erklärung zu seinem Zweck:

Dieses Informationsblatt stellt Ihnen wesentliche Informationen über dieses Anlageprodukt zur Verfügung. Es handelt sich nicht um Werbematerial. Diese Informationen sind gesetzlich vorgeschrieben, um Ihnen dabei zu helfen, die Art, das Risiko, die Kosten sowie die möglichen Gewinne und Verluste dieses Produkts zu verstehen, und Ihnen dabei zu helfen, es mit anderen Produkten zu vergleichen.

Der Produktabschnitt nennt anschließend das Produkt und seinen Hersteller, gibt eine Kennung wie die ISIN, eine Website und eine Telefonnummer an, nennt die Behörde, die den Hersteller in Bezug auf das BIB beaufsichtigt, und gibt das Datum an, an dem das Dokument erstellt oder zuletzt überarbeitet wurde.

Worauf Sie achten sollten: Prüfen Sie, ob die ISIN zu der Anteilsklasse gehört, die Sie tatsächlich kaufen. Anteilsklassen desselben Fonds können sich in Währung, Mindestanlage und vor allem in den Kosten unterscheiden. Prüfen Sie auch das Datum: Ein BIB, das seit mehr als einem Jahr nicht überarbeitet wurde, ist veraltet.

Manche Basisinformationsblätter enthalten direkt unter den Produktangaben einen Warnhinweis zur Verständlichkeit: „Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.“ Er erscheint bei Produkten, deren Verhalten schwer vorherzusagen ist, etwa weil sie komplexe Formeln oder Derivate verwenden. Er ist kein Grund, ein Produkt zu meiden, wohl aber ein Grund, sich mehr Zeit zu nehmen.

Um welche Art von Produkt handelt es sich?

Dieser Abschnitt beschreibt das Produkt in vier Teilen:

  • Art: die Rechtsform, zum Beispiel ein Teilfonds einer Investmentgesellschaft oder ein Anteil an einem Investmentfonds in Vertragsform.
  • Laufzeit: ob das Produkt ein Fälligkeitsdatum hat oder unbefristet ist und ob der Hersteller es aus eigener Entscheidung vorzeitig beenden kann.
  • Ziele: was das Produkt erreichen will, worin es investiert, wie die Rendite erzielt wird, an welcher Benchmark es gegebenenfalls ausgerichtet ist oder mit welcher es verglichen wird und ob Erträge ausgeschüttet oder wieder angelegt werden.
  • Kleinanleger-Zielgruppe: die Art von Anleger, für die das Produkt konzipiert ist, im Hinblick auf Kenntnisse und Erfahrungen, die Fähigkeit, Verluste zu tragen, und den Anlagehorizont.

Worauf Sie achten sollten: Entspricht das Ziel dem, was Ihnen die Person gesagt hat, die Ihnen das Produkt empfohlen hat? Ist die Benchmark eindeutig benannt, und wird das Produkt aktiv im Vergleich zu ihr verwaltet oder bildet es sie nach? Lesen Sie die Beschreibung der Zielgruppe ehrlich: Wenn sie jemanden mit einem längeren Anlagehorizont oder einer größeren Fähigkeit, Verluste zu verkraften, beschreibt, als Sie sie haben, nehmen Sie das ernst.

Der Risikoindikator

Das Kernstück des Risikoabschnitts ist der Gesamtrisikoindikator (SRI), eine einzelne Zahl von 1 (am niedrigsten) bis 7 (am höchsten), dargestellt auf einer Skala wie der folgenden.

Der Gesamtrisikoindikator Sieben Felder, nummeriert von 1 bis 7, von niedrigerem Risiko links bis zu höherem Risiko rechts. In diesem Beispiel ist Feld 4 hervorgehoben. Darunter weist ein Hinweis darauf hin, dass der Indikator davon ausgeht, dass Sie das Produkt über die empfohlene Haltedauer halten. Gesamtrisikoindikator (Beispiel: Klasse 4) 1234567 Niedrigeres Risiko Höheres Risiko Annahme: Sie halten das Produkt über die empfohlene Haltedauer
Abbildung 1. Der Risikoindikator, wie er in jedem BIB erscheint. Die Klasse wird nach einer vorgeschriebenen Methode berechnet und nicht vom Hersteller gewählt.

Der SRI verbindet zwei Größen. Das Marktrisiko spiegelt wider, wie stark sich der Wert des Produkts in der Vergangenheit bewegt hat; dafür wird aus der Kurshistorie eine volatilitätsäquivalente Kennzahl berechnet. Das Kreditrisiko spiegelt die Wahrscheinlichkeit wider, dass der Hersteller oder der Emittent der vom Produkt gehaltenen Werte nicht zahlen kann. Bei den meisten Fonds spielt die zweite Größe kaum eine Rolle, weil das Fondsvermögen getrennt vom eigenen Vermögen des Verwalters gehalten wird; der SRI wird daher hauptsächlich vom Marktrisiko bestimmt.

Marktrisikoklassen nach den PRIIPs-Vorschriften. Die volatilitätsäquivalente Kennzahl ist eine annualisierte Größe, die aus der Kurshistorie des Produkts abgeleitet wird.
MarktrisikoklasseVolatilitätsäquivalente Kennzahl
1unter 0,5 %
20,5 % bis 5 %
35 % bis 12 %
412 % bis 20 %
520 % bis 30 %
630 % bis 80 %
7über 80 %

Diese Bänder sind breiter als die des alten OGAW-Dokuments. Ein breit gestreuter Aktienfonds mit einer jährlichen Volatilität von etwa 15 bis 18 Prozent fällt im BIB in Klasse 4, während derselbe Fonds in den alten wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) eine 6 auswies. Eine 4 im BIB steht also nicht für ein vorsichtiges Produkt. Vergleichen Sie den Indikator nur zwischen Basisinformationsblättern, niemals mit Werten aus dem alten Dokument.

Der Text neben der Skala ist ebenso wichtig wie die Zahl. Er muss wesentliche Risiken erläutern, die der Indikator nicht erfasst, etwa das Liquiditätsrisiko oder die Risiken eines konzentrierten Portfolios. Achten Sie insbesondere auf zwei Standardwarnhinweise:

  • Währungsrisiko: Wenn Sie Zahlungen in einer anderen Währung als Ihrer eigenen erhalten, hängt Ihre endgültige Rendite vom Wechselkurs ab, und dieses Risiko ist im Indikator nicht berücksichtigt.
  • Liquiditätsrisiko: ein Hinweis darauf, dass Sie das Produkt möglicherweise nicht ohne Weiteres verkaufen können oder nur zu einem Preis, der den Betrag, den Sie zurückerhalten, erheblich verringert.

Der Indikator beruht auf der Annahme, dass Sie das Produkt über die empfohlene Haltedauer halten. Wenn Sie früher verkaufen, kann das tatsächliche Risiko erheblich davon abweichen.

Performance-Szenarien

Danach folgt eine Tabelle, die zeigt, was Sie bei einer Beispielanlage von EUR 10.000 zurückerhalten könnten, wenn Sie nach einem Jahr und am Ende der empfohlenen Haltedauer aussteigen. Es gibt vier Szenarien sowie eine Aussage zur Mindestrendite:

  • Minimum: in der Regel „Es gibt keine garantierte Mindestrendite. Sie könnten Ihre Anlage ganz oder teilweise verlieren.“
  • Stressszenario: was Sie unter extremen Marktbedingungen zurückerhalten könnten.
  • Pessimistisches, mittleres und optimistisches Szenario: Bei den meisten Fonds beruhen sie darauf, wie sich das Produkt oder eine geeignete Benchmark in der Vergangenheit tatsächlich entwickelt hat. Die Zahlen zeigen das schlechteste, das mittlere und das beste Ergebnis über Haltedauern gleicher Länge innerhalb ungefähr der letzten zehn Jahre.
Beispielhafte Szenarien für einen fiktiven Aktienfonds mit einer empfohlenen Haltedauer von fünf Jahren. Nicht auf Grundlage eines realen Produkts.
Szenario Wenn Sie nach 1 Jahr aussteigenWenn Sie nach 5 Jahren aussteigen
MinimumEs gibt keine garantierte Mindestrendite. Sie könnten Ihre Anlage ganz oder teilweise verlieren.
StressszenarioWas Sie nach Abzug der Kosten zurückerhalten könnten
Jährliche Durchschnittsrendite
EUR 4.910
−50,9 %
EUR 4.420
−15,1 %
Pessimistisches SzenarioWas Sie nach Abzug der Kosten zurückerhalten könnten
Jährliche Durchschnittsrendite
EUR 8.230
−17,7 %
EUR 9.080
−1,9 %
Mittleres SzenarioWas Sie nach Abzug der Kosten zurückerhalten könnten
Jährliche Durchschnittsrendite
EUR 10.560
5,6 %
EUR 13.120
5,6 %
Optimistisches SzenarioWas Sie nach Abzug der Kosten zurückerhalten könnten
Jährliche Durchschnittsrendite
EUR 13.410
34,1 %
EUR 17.050
11,3 %

Die Zahlen enthalten alle Kosten des Produkts selbst, aber möglicherweise nicht alle Kosten, die Sie an Ihren Berater oder Ihre Vertriebsstelle zahlen, und sie berücksichtigen nicht Ihre persönliche steuerliche Situation.

Worauf Sie achten sollten: Die Szenarien sind Veranschaulichungen auf Grundlage der Vergangenheit, keine Prognosen. Lesen Sie zuerst die Zeilen zum Stressszenario und zum pessimistischen Szenario. Der Abstand zwischen dem pessimistischen und dem optimistischen Ergebnis zeigt Ihnen, wie breit die Spanne der Ergebnisse war. Im obigen Beispiel reicht sie nach einem Jahr von einem Verlust von fast einem Fünftel bis zu einem Gewinn von einem Drittel. Das mittlere Szenario ist weder ein Versprechen noch das wahrscheinlichste Ergebnis. Es ist lediglich die Mitte einer Spanne, die aus einem bestimmten historischen Zeitraum abgeleitet wurde.

Wenn der Hersteller nicht auszahlen kann

Die Überschrift dieses Abschnitts nennt den Hersteller: „Was geschieht, wenn … nicht in der Lage ist, die Auszahlung vorzunehmen?“ Der Abschnitt gibt an, ob ein durch den Ausfall des Herstellers verursachter Verlust durch ein Anlegerentschädigungs- oder Sicherungssystem gedeckt wäre.

Bei Fonds fällt die Antwort in einer Hinsicht beruhigend und in einer anderen ernüchternd aus. Das Fondsvermögen wird von einer separaten Verwahrstelle verwahrt, getrennt vom eigenen Vermögen der Verwaltungsgesellschaft, sodass die Insolvenz des Verwalters für sich genommen nicht zum Verlust Ihrer Anlage führt. Entschädigungssysteme decken jedoch in der Regel keine Marktwertverluste ab: Verlieren die Anlagen an Wert, tragen Sie diesen Verlust selbst. Bei Produkten, die selbst ein Zahlungsversprechen darstellen, etwa strukturierten Schuldverschreibungen, kann der Ausfall des Emittenten bedeuten, dass Sie den größten Teil Ihres Geldes oder alles verlieren, und das BIB muss darauf hinweisen.

Die Kostentabellen

Der Kostenabschnitt beginnt mit dem Hinweis, dass die Person, die Sie zu dem Produkt berät oder es Ihnen verkauft, Ihnen weitere Kosten berechnen kann und Sie gesondert darüber informieren muss. Danach folgen zwei Tabellen.

Kosten im Zeitverlauf

Die erste Tabelle zeigt für eine Anlage von EUR 10.000 die Kosten insgesamt in Euro und die jährlichen Auswirkungen der Kosten, wenn Sie nach einem Jahr und am Ende der empfohlenen Haltedauer aussteigen. Die Berechnung unterstellt, dass Sie im ersten Jahr den angelegten Betrag zurückerhalten (0 % Rendite) und dass sich das Produkt danach wie im mittleren Szenario entwickelt.

Beispielhafte Zahlen für einen fiktiven Fonds mit laufenden Kosten von 1,20 % und Transaktionskosten von 0,15 % pro Jahr, ohne Ausgabeaufschlag oder Rücknahmeabschlag und mit einer Rendite von 5 % pro Jahr vor Kosten nach dem ersten Jahr.
Anlage EUR 10.000Wenn Sie nach 1 Jahr aussteigenWenn Sie nach 5 Jahren aussteigen
Kosten insgesamtEUR 135EUR 761
Jährliche Auswirkungen der Kosten1,4 %1,4 % pro Jahr

Die jährlichen Auswirkungen der Kosten zeigen, wie stark die Kosten Ihre Rendite in jedem Jahr während der Haltedauer verringern. Wenn Sie in diesem Beispiel nach fünf Jahren aussteigen, beträgt Ihre durchschnittliche Rendite pro Jahr voraussichtlich 5,0 % vor Kosten und 3,6 % nach Kosten.

Zusammensetzung der Kosten

Die zweite Tabelle schlüsselt die Gesamtkosten nach Kostenarten auf:

Derselbe fiktive Fonds, Ausstieg nach einem Jahr.
KostenartBeschreibungWenn Sie nach 1 Jahr aussteigen
EinstiegskostenEinmalige Kosten bei der Anlage.EUR 0
AusstiegskostenEinmalige Kosten beim Verkauf.EUR 0
Verwaltungsgebühren und sonstige Verwaltungs- oder Betriebskosten1,20 % des Werts Ihrer Anlage pro Jahr.EUR 120
Transaktionskosten0,15 % pro Jahr: eine Schätzung der Kosten für den Kauf und Verkauf der Anlagen des Fonds. Der tatsächliche Betrag hängt davon ab, wie viel der Fonds handelt.EUR 15
ErfolgsgebührenBei diesem Produkt keine.EUR 0
Carried InterestBei diesem Produkt keine.EUR 0

Worauf Sie achten sollten: Die jährlichen Auswirkungen der Kosten sind die beste Einzelkennzahl, um Produkte mit ähnlicher Haltedauer zu vergleichen, denn sie umfassen laufende Kosten, Transaktionskosten und etwaige einmalige Kosten, verteilt über die Haltedauer. Einmalige Kosten fallen bei einem frühen Ausstieg stark ins Gewicht. Erhebt der obige Fonds zusätzlich einen Ausgabeaufschlag von 3 %, steigen seine jährlichen Auswirkungen der Kosten bei einem Ausstieg nach einem Jahr auf 4,3 % und über fünf Jahre auf 2,0 % pro Jahr. Ausgabeaufschläge im BIB sind Höchstwerte; fragen Sie daher Ihre Vertriebsstelle, was sie tatsächlich berechnet. Ein vollständigeres Bild der Kosten finden Sie in Was die TER enthält und was nicht.

Haltedauer und vorzeitige Entnahme von Geld

Dieser Abschnitt nennt die empfohlene Haltedauer und erläutert, warum sie gewählt wurde: in der Regel die Zeit, die das Produkt braucht, damit seine Strategie eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat. Er gibt außerdem an, wie und wie oft Sie verkaufen können und was ein vorzeitiger Ausstieg kostet.

Worauf Sie achten sollten: Vergleichen Sie die empfohlene Haltedauer mit Ihrem eigenen Anlagehorizont. Ein offener Fonds, der an jedem Geschäftstag verkauft werden kann, unterscheidet sich grundlegend von einem geschlossenen Fonds, bei dem Sie vor dem Ende der Laufzeit möglicherweise überhaupt kein Geld entnehmen können. Achten Sie auf Rücknahmeabschläge, Kündigungsfristen und etwaige Bedingungen, unter denen der Handel mit Anteilen ausgesetzt werden kann.

Beschwerden und sonstige Angaben

Der Beschwerdeabschnitt nennt eine Postanschrift, eine E-Mail-Adresse und eine Website für Beschwerden über das Produkt, den Hersteller oder die Person, die es Ihnen verkauft hat.

Der letzte Abschnitt, Sonstige zweckdienliche Angaben, verweist auf weitere Dokumente. Bei Fonds gehören dazu der Verkaufsprospekt, also die vollständige rechtliche Beschreibung, sowie der Jahres- und der Halbjahresbericht. Außerdem enthält er einen Link zu der Stelle, an der die frühere Wertentwicklung des Fonds und seine früheren Berechnungen der Performance-Szenarien veröffentlicht werden. Folgen Sie diesem Link: Eine Übersicht der tatsächlichen jährlichen Renditen im Vergleich zur Benchmark sagt oft mehr aus als die Szenarien.

Eine Checkliste vor der Anlage

  • Das BIB ist die aktuelle Fassung, innerhalb der letzten zwölf Monate datiert, und gilt für die Anteilsklasse, die Sie kaufen.
  • Sie verstehen, worin das Produkt investiert und wie es Erträge erzielen will.
  • Der Risikoindikator und die empfohlene Haltedauer passen zu Ihrer Verlusttragfähigkeit und zu Ihrem Anlagehorizont.
  • Sie haben das Stressszenario und das pessimistische Szenario gelesen, nicht nur das mittlere.
  • Sie kennen die Gesamtkosten in Euro und die jährlichen Auswirkungen der Kosten und haben Ihre Vertriebsstelle gefragt, was sie zusätzlich berechnet.
  • Sie wissen, wie und wann Sie Ihr Geld entnehmen können und was das kostet.
  • Sie wissen, wo Sie sich beschweren können, wenn etwas schiefgeht.

Häufig gestellte Fragen

Ist das BIB dasselbe wie der Verkaufsprospekt?

Nein. Der Verkaufsprospekt ist die vollständige, rechtlich verbindliche Beschreibung eines Fonds und kann Hunderte Seiten umfassen. Das BIB ist eine standardisierte Zusammenfassung von höchstens drei Seiten und muss mit dem Verkaufsprospekt und den übrigen rechtlichen Dokumenten des Fonds übereinstimmen.

Hat jeder Fonds ein BIB?

Ein BIB ist immer dann erforderlich, wenn ein Produkt Kleinanlegern in der EU zur Verfügung gestellt wird, also allen, die nicht als professionelle Kunden eingestuft sind. Fonds, die ausschließlich professionellen Anlegern angeboten werden, benötigen keines.

Warum weichen die Performance-Szenarien von der früheren Wertentwicklung des Fonds ab?

Sie messen Unterschiedliches. Die frühere Wertentwicklung zeigt die tatsächliche Rendite für jedes Kalenderjahr. Die Szenarien zeigen das schlechteste, das mittlere und das beste Ergebnis über Haltedauern der empfohlenen Länge innerhalb eines historischen Zeitfensters, berechnet nach einer vorgeschriebenen Methode. Beide blicken zurück, und keines von beiden sagt die Zukunft voraus.

Warum hat sich die Risikoklasse meines Fonds geändert?

Der Indikator wird anhand der jüngeren Kurshistorie neu berechnet. Werden die Märkte volatiler, kann ein Fonds eine Klasse aufsteigen, und er kann wieder absteigen, wenn sich die Lage beruhigt. Eine Änderung der Klasse bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Strategie des Fonds geändert hat.

Was ist aus den alten wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) für OGAW-Fonds geworden?

Bis Ende 2022 verwendeten OGAW-Fonds die zweiseitigen „Wesentlichen Anlegerinformationen“. Sie zeigten eine auf der Volatilität beruhende Risikokennzahl mit engeren Bändern sowie ein Balkendiagramm der früheren Wertentwicklung. Seit dem 1. Januar 2023 verwenden OGAW-Fonds das hier beschriebene PRIIPs-Basisinformationsblatt mit eigenem Risikoindikator, Performance-Szenarien und vollständigen Kostentabellen.

Erhalte ich das BIB in meiner eigenen Sprache?

Das BIB muss in einer Amtssprache des Mitgliedstaats abgefasst sein, in dem das Produkt angeboten wird, oder in einer anderen Sprache, die von der zuständigen Behörde dieses Staates akzeptiert wird. In der Regel ist es sowohl auf der Website des Herstellers als auch bei Ihrer Vertriebsstelle erhältlich.

Zusammenfassung

Das Basisinformationsblatt ist kurz, standardisiert und nach einem festen Muster aufgebaut. Damit ist es die fairste Möglichkeit, einen Fonds mit einem anderen zu vergleichen. Lesen Sie es der Reihe nach. Prüfen Sie, ob es aktuell ist und für die richtige Anteilsklasse gilt. Verstehen Sie, was das Produkt tut und für wen es gedacht ist. Nehmen Sie den Risikoindikator und die pessimistischen Szenarien ernst. Beurteilen Sie die Kosten anhand der Gesamtkosten in Euro und der jährlichen Auswirkungen der Kosten. Vergewissern Sie sich, dass die empfohlene Haltedauer zu Ihrem eigenen Anlagehorizont passt. Zehn Minuten mit einem BIB vor einer Anlage sind gut investierte Zeit.